Ein Studium der Geologie?

Man steht vor dem Abitur und wie so oft stellt sich die Frage: Wohin des Weges. Und vielleicht fragt man sich irgendwann sogar: Soll ich Geologie studieren? Geowissenschaften klingen doch irgendwie gut und man kann die Erde verstehen. Und die Erde retten. Oder auch nicht.

Es existiert in Deutschland keinen Ausbildungsberuf Geologie. Am Nächsten kommt noch der „Geotechniker“, der sich jedoch eher als spezialisierter Erdbauer versteht und weniger ein Erdwissenschaftler darstellt. Der Weg zum Geologen führt in Deutschland nur über ein Studium an einer Hochschule. Und selbst das auch nur an Universitäten. Fachhochschulen und duale Ausbildungen sind in der Geologie nicht vorgesehen.

Im Zuge des Bologna-Prozess und der Umstellung auf Bachelor/Master-Abschlüsse setzen viele Hochschulen auf die Bezeichnung der Geowissenschaften oder Angewandte Geowissenschaften für die Geologie (und der verwandten Mineralogie). Wenn man nun die Geographie, Umweltwissenschaften und andere Geo-Studiengänge betrachtet, die allesamt unter “Geowissenschaften” fallen, sorgt die neue Bezeichnung möglicherweise für Verwirrung. Geowissenschaften sollte man also immer im richtigen Kontext verwenden. Um Mißverständnisse zu vermeiden nutze ich weiterhin den wohl bald antiquierten Begriff Geologie.

Die Geologie ist eine Naturwissenschaft. Nur wenige Universitäten, bei denen der Schwerpunkt im Bergbau oder bei der Geotechnik liegen, bieten den Studiengang als Ingenieurstudiengang an, so z.B. die Universität Darmstadt.

Als Naturwissenschaft bedient sich die Geologie der Mathematik als Hilfswissenschaft. Physik und Chemie werden im Grundstudium ebenfalls häufig belegt. Anspruch und Wahlmöglichkeiten sind in den Prüfungsordnungen der jeweiligen Hochschulen festgelegt. Die zu belegenden Vorlesungen gehen z.B. von einem Semester der einfachsten Mathematik bis zu einem Jahr Höhere Mathematik für Ingenieure.

Nach den ersten Semester naturw. Grundlagen und geologischem Grundwissen wählt der Studierende Ende des Bachelors und ggf. für den anschließenden Master die Schwerpunkte. Die Geologie bietet viele Vertiefungen: Diese sind im angewandten Bereich die Ingenieurgeologie, Hydrogeologie, Tunnelbau, Bergbau, Exploration und Lagerstättenkunde und Mineralogie. Eine andere beliebte Richtung ist die Paläontologie und Erdgeschichte, die regionale Geologie oder auch die klassische Tektonik und Strukturgeologie. Vielfach sind Ausflüge in Nachbarwissenschaften möglich: die Geochemie, Geophysik und Geoinformatik sind Beispiele.

Die Geologie ist keine “Bürowissenschaft”. Der Geologe geht raus und spricht den Stein an. Dazu bietet das Studium zahlreiche Exkursionen: Sind während der ersten Semester noch 1-2 tägige Exkursionen im Umland üblich, werden es später gerne 10-15 Tage im Gelände oder länger. Von geologischen Kartierungen in den Alpen, vulkanologische Exkursionen auf Island oder Hawaii oder eine erdgeschichtliche Entdeckungsreise durch das Paläozoikum im benachbarten Tschechien sind die Angebote vielseitig und von Uni zu Uni verschieden.

Das klingt interessant aber auch sehr schwer. Bin ich für ein Geologiestudium geeignet?
Wie bei den meisten MINT-Studiengängen ist die Abbrecherquote hoch. Mathematik, Chemie und Physik, teilweise technische Mechanik können die ersten Semester fast 2/3 des Studiums ausmachen. Und bei manchen mineralogischen Vorlesungen findet man zu Beginn kaum einen Zugang zur eigentlichen Geologie. Das kann mitunter entwas desillusionieren. Ich wage trotzdem zu behaupten; mit einem naturwissenschaftlichen Grundverständnis ausgestattet und etwas Fleiß lassen sich Defizite in den ein oder anderen Fächern gut kompensieren und das Studium erfolgreich abschließen.

Ob die Wahl eines Studienfachs eine gute Entscheidung sein wird, weiß man selten vorher. Man kann die Wahrscheinlichkeit, die für sich richtige Entscheidung zu treffen aber erhöhen. Ich empfehle dazu:

  • einen Besuch bei der Fachschaft an der Uni seiner Wahl abstatten. Die Fachschaft sind Studierende höheren Semester, die die fachbezogene Interessensvertretung bilden. Diese kennen die Inhalte, die Prüfungsordnung und die Uni sehr gut und können auch die Lehre ehrlicher bewerten, als die Profs in der Sprechstunde. Übrigens, Fachschaftler sind -zumindest meistens- weder Langzeitstudenten (die tummeln sich in anderen Institutionen der Uni) noch Burschenschaftler.
  • ein Buch über Geologie lesen. Und zwar ein ganz Bestimmtes: ‘Allgemeine Geologie’ von Press & Siever. (amazon.de-Link*). Sehr teuer, aber auch sehr gut. Aufgrund seiner Popularität ist es auch in den meisten Bibliotheken zur Ausleihe vorhanden.
  • Das Studium zum Selbstzweck ist zwar ganz schön. Wenn man eine Ahnung hat, was danach kommt, kann das zusätzlich motivieren. Welche Berufe ein Geologe als Geologe ausüben kann, beschreibe ich hier: Die Berufsfelder des Geologen.